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Warten auf Papa

Immer adrett gekleidet – Mama konnte toll nähen und stricken – ist klein Astrid sonntags mit Papa ausgegangen. Ebenfalls immer adrett mit Schlips und Sakko mein Vater. Erst in Schlossborn spazieren und dann nach Neuenhain in die Gute Quelle zum Skat. Ich bekam Apfelsaft und Salzstangen und spielte mit der Tochter des Wirtes. Oder wir fuhren zu Freunden auf einen Campingplatz. Auch da habe ich schnell Anschluss zu anderen Kindern gefunden. Es kam öfter vor, dass meine weißen Söckchen und Lackschuhe dreckig wurden. Autsch. Mama machte dann meinem Vater Vorwürfe, er würde nicht auf mich aufpassen und man könne das Kind doch nicht ohne Aufsicht lassen. Mein Vater war sichtlich genervt – dann gehe er halt nicht mehr mit mir aus. Basta. Oder das tolle Weihnachtsgeschenk – Schlittschuhe. Die hatte er wohl irgendwo billig bekommen und dachte, ist was für Astrid. Was sollte ich mit Schlittschuhen, wenn keiner mit mir zur Eisbahn fährt? Das sagte auch meine Mutter und machte dafür meinen Vater nieder. Das war das einzige Geschenk meines Vaters, an das ich mich erinnern kann.

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Glaubenssätze

Du bist faul. Du könntest, wenn du nur wolltest. Du willst einfach nicht.

Besser kann man ein ADHS-Kind nicht beschreiben. Das sind Sätze, die ich in meiner Kindheit und Jugend so oft gehört habe, sei es von meiner Mutter oder von den Lehrern. Diese Sätze wurden zu meinem Mantra.

„Astrid ist ein kluges und gut erzogenes Mädchen, aber sie ist nicht fleißig genug und lässt das Plappern nicht. Die Handschrift könnte auch etwas besser sein. Sie schaut auch oft aus dem Fenster und hört gar nicht zu.“

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