Wie kann man vorbeugend handeln?

Um Underachievement bei einem hochbegabten Kind vorzubeugen, sollten Eltern und Lehrkräfte Beurteilungsfehler im Hochbegabtenbereich vermeiden, d.h. eine Hochbegabung und mit ihr einhergehend eine mögliche Unterforderung erkennen und durch ein Testverfahren bestätigen oder ausschließen lassen. Zudem sollte auch begabten Schüler*innen ein individualisierter Unterricht und zusätzliche Förderung angeboten werden. Dazu gehört auch das Einüben von Lern- und Arbeitstechniken.

Lehrkräfte sollten auf erste Anzeichen von Unterforderung Hochbegabter im Unterricht achten. Mögliche Fragestellungen, die eine „Diagnose“ erleichtern:

  • Ist das Kind unkonzentriert bei Routineaufgaben, löst es eher schwere Mathematikaufgaben zügig?
  • Stört es den Unterricht durch ständiges Zwischen- und Nachfragen?
  • Mag es komplexere Aufgabenstellungen? Verrechnet es sich oft, obwohl der Lehrstoff verstanden wurde?
  • Zeigt es besondere Leistungen im außerschulischen Bereich?
  • Ist es auf einem Spezialgebiet ausgezeichnet (Experte), verliert die Motivation aber schnell bei Routinearbeiten?
  • Hat es eine schnelle Auffassungsgabe bei Einführung neuer Themen trotz Aufmerksamkeitsdefizit?
  • Liefert es gute Beiträge bei schwierigen Themen?
  • Gibt es einen deutlichen Leistungseinbruch nach früheren sehr guten Leistungen?
  • Verliert es sich oft in Tagträumereien?
  • Stört es bei sich wiederholenden Übungsaufgaben? Ist es neugierig bei neuen und herausfordernden Aufgaben?
  • Ist es mit den Arbeitsergebnissen nicht (leicht) zufrieden?
  • Nimmt es am Unterricht kaum teil, gibt bei Befragen aber korrekte Antworten?
  • Erledigt es langweilige Aufgaben oft unvollständig?

Es gilt für Eltern und Lehrkräfte eine Selbstwert-Fehlentwicklung zu vermeiden. Underachiever entwickeln im Verlauf des Kindes- und Schulalters ein „deformiertes“ Selbstkonzept („Drama“ hochbegabter Underachiever nach Hanses & Rost).

Mögliche Gründe für ein deformiertes Selbstkonzept sind im Kleinkind- und Vorschulalter

  • unzureichende Bindungserfahrungen,
  • mangelnde Fähigkeit der Eltern, auf Kommunikationsversuche des Kindes einzugehen (Responsivität),
  • wenig bis keine Anforderungen,
  • schädlicher Erziehungsstil und/oder
  • eingeschränkte soziale Kontakte zu Gleichaltrigen.

Hier fallen mit die vielen jungen Mütter ein, denen man beim Gang durch die Gemeinde begegnet. Sie karren ihre Babys im Kinderwagen durch die Gegend und haben dabei permanent das Handy am Ohr, um mit irgendjemandem zu quasseln. Sie haben Ohren und Augen nicht bei ihrem Baby und es drängt sich mir der Verdacht auf, dass sie auch zuhause nicht ausgiebig mit ihrem Kind kommunizieren. Das ist mein persönlicher Eindruck und trifft natürlich nicht auf alle Mütter zu. Aber es gibt sie, die Mütter die ihre Kinder ignorieren und nicht mit ihnen kommunizieren. Ein Kind lernt von Anfang an durch Nachahmen und nicht erst wenn es laufen kann oder gar wenn es in die Schule kommt. Das sollte man unbedingt beherzigen.

Im Schulalter können…

  • die Dominanz sozialer Bezugsnormen in der Schulklasse,
  • autoritäre Strukturen,
  • unzureichende Ausbildung selbstwertdienlicher Attribuierungsgewohnheiten, d.h. die Fähigkeit, eigene Erfolge im Zweifelsfall eher inneren Ursachen (wie eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten) und eigene Misserfolge eher äußeren Ursachen (der Situation, dem Zufall etc.) zuzuschreiben und nicht umgekehrt sowie
  • falsches Loben

… ursächlich für eine Fehlentwicklung des Selbstkonzepts sein. Der überwiegende Einsatz der individuellen Bezugsnormorientierung durch Lehrpersonen wirkt positiv auf die Schüler*innen. Hochbegabte Schüler*innen verfügen über ein breites außerschulisches Interessenspektrum, an dem Lehrpersonen anknüpfen können.

Hochbegabte können als Underachiever lernbezogen, vor allem aber sozialbezogen, ängstlich sein. Eltern und Lehrer*innen kann empfohlen werden, dem Kind dabei zu helfen, den eigenen hohen Anspruch (Perfektionismus) zu relativieren. Sie können anhaltende Belastungen etwa durch Asynchronien geistiger, motorischer und emotionaler Fähigkeiten beachten und besondere Sensibilität für Gefahren berücksichtigen. Etwaiger Angst vor Nichtanerkennung durch „Anderssein“ kann mit Einbettung in die soziale Gemeinschaft begegnet werden und die soziale Bezugsnorm bei der Bewertung von Leistungen weitgehend vermieden werden.

Um der Entwicklung eines hochbegabten Kindes zum Underachiever vorzubeugen, sollten Lehrpersonen im Idealfall folgende Kompetenzen mitbringen (nach Preckel 2007):

  • Sie erkennen Bedürfnisse Hochbegabter,
  • besitzen tiefgreifendes Fachwissen zur Hochbegabung,
  • haben Fähigkeit, Curriculum zu differenzieren,
  • ermutigen Schüler*innen unabhängig zu sein,
  • schaffen begabungsfreundliches Lernumfeld,
  • unterrichten schülerzentriert,
  • sind enthusiastisch für Außergewöhnliches,
  • handeln eher moderierend und begleitend,
  • haben selbst ein breites Interessenspektrum,
  • sind selbst lebenslang lernende Personen,
  • besitzen exzellente kommunikative Fähigkeiten,
  • sind bereit, Fehler zuzugeben,
  • sind selbst gut „organisiert“
  • und besitzen last but not least Sinn für Humor

Auf keinen Fall sollten Lehrpersonen wie auch Eltern

  • unkonventionelle Ideen abwürgen („Das passt nicht zum Stoff“)
  • Neugier und Erkundungsdrang negieren („Das gehört nicht hierher.“)
  • Eigenen Antrieb unterbinden („Was für dumme Fragen.“)
  • Auf festgelegten „Lehrer/innen Weg“ festnageln („Hier vorn spielt die Musik.“)
  • Neue Ideen nicht zulassen („Das stört meinen Unterricht.“)
  • Ideen kritisieren und abfällig werten („Unser kleiner Professor.“)
  • Kinder im Klassenverband isolieren („Du Spinner.“)
  • Sinn für Gerechtigkeit unterdrücken („Ich entscheide hier über Noten.“)
  • Auf später vertrösten „Das verstehst du noch nicht.“, „Das lernst du später.“
  • Tiefgründiges Denken verhindern
  • Intellektuellen Witz und Humor ablehnen („Darüber kann keiner außer dir lachen.“)

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https://docplayer.org/11030514-Underachiever-eine-psychologische-und-paedagogische-herausforderung-fuer-eltern-und-schule.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Minderleister

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