Weihnachten – so what

Frage, wen du willst – jeder, der mich kennt wird bestätigen, dass Weihnachten für mich die Höchststrafe war und ist.

Mir scheint, dass dieses Fest der Liebe in Zeiten von Corona mehr denn je dazu benutzt wird, auf hohem Niveau zu jammern und in Selbstmitleid zu ertrinken. Was ist denn so schlimm daran, wenn man mal nicht zum Endzeit-Shoppen in die Stadt fahren kann und ein Jahr auf seinen Winterurlaub verzichten muss? Wahrscheinlich denkt keiner daran, dass es ja durchaus Vorteile hat, nicht jeden sehen zu müssen. Die bucklige Verwandtschaft bleibt dieses Jahr außen vor und man kann im kleinen Kreis oder sogar alleine ein besinnliches Fest erleben. Keine nervenden Verpflichtungen, kein schlechtes Gewissen.

Gut – ich gebe zu, dass wir meine Schwiegermutter holen, damit sie auf ihre letzten Tage nicht noch depressiv wird – sie wird 97 Jahre alt. Mein Sohn ist schon am Ende der ersten Welle bei uns eingezogen, weil er sich in seinem Wohnheimzimmer wie im Knast gefühlt hat. Da er ohnehin Home-Uni hat, bot es sich an, die Kosten für das Zimmer einzusparen. Ich mache gute Miene und versuche, mich so gut wie möglich aus dem ganzen Weihnachts-Theater heraus zu halten – mit bescheidenem Erfolg.

Ich erinnere mich an zwei schöne Weihnachten in meiner Kindheit.

Mehr nicht. Zweimal im Kreis der großen Familie mit Großeltern, Tanten, Onkels und Cousins und Cousinen. Das war ganz schön. Ich wünschte mir innig ein Spielzeugauto, genauer gesagt einen Kipplaster für den Sandkasten. Jedem, der mich nach meinen Wünschen fragte, sagte ich das. Ich wollte nicht immer Puppen, Puppenkleider, Puppenstube, Puppenscheiß…. Ein Lkw wie ihn mein Lieblingscousin hatte war das Objekt meiner Begierde. Einzig meine Oma (!) erbarmte sich meiner und schenkte mir einen VW-Käfer aus Plastik gefüllt mit Pralinen – mein erstes und einziges Spielzeug-Auto. Ich liebe sie heute noch dafür, dass sie mich als einzige ernst nahm. Das zweite Weihnachten im großen Kreis, woran ich mich erinnere, fand ein Paar Jahre später statt und blieb mir ebenfalls wegen eines Geschenks in Erinnerung. Mein Tante erfüllte meine Bitte um ein Monopoly-Spiel, was damals richtig teuer war. Weihnachten mit meinen Eltern habe ich als immer wiederkehrendes Desaster in Erinnerung. Ebenso Weihnachten ohne meine Eltern wegen des schlechten Gewissens.

Rotwein und Chips

Das tollste Weihnachten habe ich zwischen zwei Beziehungen erlebt und dabei mein Alleinsein so richtig genossen. Meinen Sohn habe ich damals zu seinem Vater geschickt und den Heiligen Abend mit einer Flasche Rotwein und Chips vor dem Computer verbracht. Ich erinnere mich daran, wie verwundert ich war, dass so viele Leute Weihnachten auf dem Single-Chat-Portal verbrachten. Flirten und die Ruhe rundum genießen – das war richtig schön.

2020 – AHA und Solidarität

Es sind keine schönen Zeiten und kaum jemand wird diesem Jahr 2020 eine Träne nachweinen. Aber wir sollten das Beste daraus machen. Dazu gehört meiner Meinung nach, sich an Regeln zu halten – auch wenn es manchmal lästig ist. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch, aber es geht nicht immer nur um mich. Meine Freiheit hört dort auf, wo ich die eines anderen Menschen gefährde. Das bedeutet, Grenzen zu akzeptieren, Rücksicht zu nehmen, tolerant und mitfühlend zu sein. Und verdammt noch mal – Ist es denn so schwer, sich mal zusammenzureißen? Mein Appell an dich:

Wenn du gesund bist, freue dich darüber.
Nutze die Weihnachtszeit dafür, nachzudenken, zu dir selbst zu finden.
Fühle mit denen, die nicht so viel Glück haben wie du.
Denk an jene, die krank sind, trauern oder nichts besitzen.
Wertschätze alle diejenigen, die den Laden am Laufen halten und sich tagtäglich abstrampeln, damit es dir gut geht.
Und bleibe mit deinem Arsch zu Hause.



Kategorien:Ich erinnere mich..., NEU, Restetonne

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