Meine kleine Buchbesprechung (3)

Sabine Bode; Kriegsenkel – Die Erben der vergessenen Generation, Klett-Cotta 2009, 25. Auflage 2015

Nach dem schon erwähnten Buch „Kriegskinder“ richtet Sabine Bode hier den Fokus auf die „Kriegsenkel“. Wie fühlt es sich an, Kind kriegstraumatisierter Kinder und Jugendlicher zu sein? Bis Anfang der 2000er Jahre war der Begriff „Kriegsenkel“ ein weitgehend unbekannter Begriff. Um bislang unbeachteten Gemeinsamkeiten einer Generation eine Überschrift zu geben, hat man sich diesen Namen gegeben. Fortan war es möglich, sich über diesen Begriff zu definieren und Spuren einer kollektiven Katastrophe zu entdecken.


Aus dem Klappentext:
„Sabine Bode beschreibt, wie die Schrecken des Zweiten Weltkriegs bis heute in vielen Familien fortwirken.“ (Andreas Fasel, Welt am Sonntag)


Das Buch hat mich persönlich sehr berührt. Ich habe viele Parallelen zu anderen Kriegsenkeln entdeckt, aber auch die Erkenntnis gewonnen, dass es weitaus schlimmere Traumata in Familien gibt als es bei mir der Fall ist, zumindest nach meinem Kenntnisstand.

Schilderungen der im Buch zu Wort kommenden Kriegsenkel über „ihren unvernünftigen Umgang mit Geld“, das Paradox „Das Jammern der Deutschen trotz relativen Wohlstands“, die vermeintliche Unfähigkeit der Eltern (vorwiegend der Mütter), Mitgefühl zu zeigen – „Stell dich nicht so an“, der schier grenzenlose Egoismus der Eltern „Ich, ich, ich“ – all das und viele Eindrücke mehr haben in mir das Gefühl geweckt, über dieses Thema ausführlicher zu recherchieren und zu sprechen. Zu sprechen mit Gleichgesinnten, mit anderen Kriegsenkeln.


Aus dem Klappentext:

„Als Friedenskinder sind sie in den Zeiten des Wohlstands aufgewachsen. Es hat ihnen an nichts gefehlt. Oder doch?
Die Generation der zwischen 1960 und 1975 Geborenen hat mehr Fragen als Antworten: Wieso haben viele das Gefühl, nicht genau zu wissen, wer sie sind und wohin sie wollen? Wo liegen die Ursachen für diese diffuse Angst vor der Zukunft? Weshalb bleiben so viele von ihnen kinderlos?
Noch ist es für sie ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über Jahre zurückliegt, so stark in ihre Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt?“


Auf jeden Fall lesenswert.

Sabine Bode; Kriegsenkel – Die Erben der vergessenen Generation, Klett-Cotta Stuttgart 2009, 25. Auflage 2019; ISBN 978-3-608-94808-0

One thought

  1. Liebe Kolorilo,

    auch ich (Jg. 62) habe die Bücher gelesen, unter anderen haben auch sie mir dabei geholfen, meine Familiengeschichte zu verstehen.

    Herzlichen Gruß aus dem Tal der Wupper, Reiner

    Gefällt 1 Person

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