Vom Zerdenken und Übertreiben

Kennst du das auch: Du hast Zeit, dich wie auch immer kreativ zu betätigen. Du hast Muse, du hast Ideen und dann denkst du: „Macht es überhaupt einen Sinn?“ Es geht mir tierisch auf den Keks, dass ich immer alles hinterfragen muss. Ich nenne das „Zerdenken“ oder „Totdenken“. Meistens komme ich zu dem Ergebnis, dass mein Vorhaben  sinnlos ist, keinen wie auch immer gearteten Zweck erfüllt und ich es deshalb auch bleiben lassen kann.

Oder ich verschiebe auf einen anderen Zeitpunkt z.B.

nachher

morgen

demnächst

wenn ich mal Zeit habe 

wenn das Wetter besser ist 

wenn ich sonst nichts zu tun habe 😉

Beispiel gerade eben: Ich hole mir Inspiration, indem ich mir Tutorials auf Youtube ansehe, in denen diverse Mal-Techniken gezeigt werden. Toll, denke ich, das kann ich gleich mal ausprobieren. Papier habe ich, Aquarellfarben und Pinsel sowieso. Bevor ich aufstehe und das Material zusammen suchen kann, denke ich „was macht das für einen Sinn? Habe schon genug Bilder, weiß gar nicht wohin mit dem ganzen Plunder. Ist ja nur Beschäftigungstherapie. Ich kann es ohnehin nicht so gut.

Zum Glück gab und gibt es immer Zeiten/Phasen, in denen ich sehr kreativ war/bin. Dabei fällt auf, dass ich alles, was ich gerne mache dann sehr exzessiv tue. In meinen kreativen Phasen neige ich zu Übertreibungen und kotze mich buchstäblich aus. Da werden „haufenweise“ Zeichnungen erstellt und nicht nur ein Puppenhaus gebaut, sondern gleich mehrere Häuser mitsamt Inventar und Deko gebastelt. Dies nur zwei Beispiele, die Liste könnte ich unendlich fortsetzen. Das Ergebnis sind tausende Bilder gemalt, gezeichnet, fotografiert, digital erstellt, geklebt, gesprüht, gespachtelt, gebügelt… Drei große selbstgebaute Puppenhäuser, etliche Miniatur-Puppenstuben und Dioramen, unzählige, in mühsamer Kleinarbeit hergestellte Möbel und Dekorationsstücke… Alles sinnloses Zeug.

Auch wenn mich eine Sache sehr interessiert und begeistert, kann sie ganz schnell ihren Reiz verlieren, und damit kommt meine Einsatzfreude total zum Erliegen.

Im schlimmsten Fall tue ich das, was mich eben noch über längere Zeit fasziniert und in Bewegung gehalten hat dann überhaupt nicht mehr. Ja verliere sogar vorübergehend die Fähigkeiten es zu tun. So sehe ich mir nach längerer Zeit einige meiner „Werke“ an und frage mich: „Wie habe ich das gemacht? Das könnte ich heute nicht mehr.“

Meistens folgt auf eine „Schaffensphase“ die totale Lethargie.

Ich kann mich zu nichts aufraffen und bin träge und antriebslos. Bis ich wieder etwas gefunden habe, was mich „anfixt“. Zuletzt – vor Corona – waren das meine Ehrenämter in einer Schule und einer Behinderteneinrichtung. Da reicht es mir nicht, mit Kindern Hausaufgaben und mit Behinderten Leseübungen zu  machen. Ich lege mich gleich so richtig ins Zeug, indem ich mich über Pädagogik, Sozialpädagogik, Psychologie etc. informiere. Was ich mache, will ich richtig machen. Da wird selbst eine harmlose Gruppenveranstaltung zu einer geistig anspruchsvollen Herausforderung. Ja, auch da übertreibe ich maßlos. 

Ein schlauer Mensch sagte mir, es sei der Hyperfokus, der eine wunderbare Gabe sei. Er lasse mich kreativ über mich hinauswachsen. Und er koste unheimlich viel Kraft. Kraft, die irgendwann verbraucht ist. Die Akkus müssten erst wieder aufgeladen werden. Was ich Lethargie nenne sei nur eine Phase des Kraft-Schöpfens.



Kategorien:ADHS

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