Frischer Wind

Ich glaube, ich hatte es einem vorherigen Artikel schon erwähnt, dass ich nicht sagen kann wie lange mich ein Thema fesselt und meine Fokussierung andauert. Das Thema „Kriegsenkel“ ist weiterhin interessant, aber es fasziniert mich nicht mehr so wie vor ein Paar Wochen. Bis gestern lagen noch alle Bücher und Notizen in meinem Sichtfeld auf dem Schreibtisch, jetzt räume ich sie weg. Nicht weil es mich nicht mehr interessieren würde oder ich das Thema nicht mehr für wichtig erachte. Es ist einfach so, dass ich im Moment keine Lust mehr auf Selbsttherapie habe und damit einhergehend auf die Beschäftigung mit der Vergangenheit.

Viele Erkenntnisse der letzten Wochen haben mein Selbstbild zurecht gerückt. So habe ich Lust auf etwas Neues in meinem Leben und seit Langem auch wieder den Mut und den Glauben daran, etwas schaffen zu können, wenn ich es nur will. In meinem letzten Beitrag erzählte ich euch, dass ich keine Anti-Depressiva mehr nehme. Es ist wie ein Vorhang, der aufgegangen ist und Luft an mein Gehirn gelassen hat.

Ein Wind förmlich, ein frischer Wind, der allen Staub und Dreck weggeweht hat. Ich kann wieder weinen. Ich kann wieder wütend sein. Ich habe Ideen und möchte sie verwirklichen.

„Vor Corona“ war ich als Lernpatin in einer Grundschule ehrenamtlich tätig. Das hat mir riesigen Spaß gemacht, mit sogenannten „schwierigen“ Kindern zu „arbeiten“ (richtig heißt es natürlich „Kinder mit Förderungsbedarf“. Mein Rüstzeug war schon ganz gut, schließlich war ich selber so ein Kind und auch mein Sohn, so dass ich aus meinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen konnte. Aber immer wieder habe ich gedacht, dass es doch schön und nützlich wäre, etwas mehr Hintergrundwissen zu haben um den Kindern gezielter zu helfen.  Ein anderes Betätigungsfeld war die Gruppenarbeit mit geistig behinderten Erwachsenen. Im Rahmen eines Freizeitangebotes für diese Gruppe habe ich einmal wöchentlich einen Kurs „Lesen und Schreiben üben“ geleitet und gestaltet. Auch hier fühlte ich mich manchmal nicht gut genug geschult, einerseits Wissen zu vermitteln, andererseits individuell auf unterschiedliche geistige Potentiale und Störungen einzugehen.

Lange habe ich mir überlegt, was ich machen könnte, um mein Tun auf ein solideres Fundament zu stellen. Eines wusste ich: Der klassische Lehrgang, die klassische Weiterbildung, Seminare oder anderen Präsenzunterricht halte ich nicht durch. Ich kann mich nicht zu einer bestimmten Uhrzeit, mit einer Gruppe von Menschen in einem Klassenraum oder einem Hörsaal oder sonstwas auf Lernstoff konzentrieren. Womöglich spontan Stellung nehmen, Rollenspiele spielen, Prüfungssituationen durchleben – für mich ist diese Unterrichtsform nicht effizient und damit auch nicht wirklich erfolgreich.

Ich habe genug Seminare, Weiterbildungen, Kurse etc. erlebt und dabei verschwindend wenig mitgenommen. Im Prinzip hätte ich es lassen können, wenn man mal vom Unterhaltungsfaktor der einen oder anderen Veranstaltung absieht.

Es war mir bewusst, dass ich nur individuell in meiner dafür ausgesuchten Umgebung ohne Zeit- und Prüfungsdruck in der Lage sein würde, erfolgreich zu lernen und einen Abschluss zu erlangen. Danke Corona-Krise – du hast mich auf den richtigen Pfad gebracht. Zuhause lernen und arbeiten ist genau mein Ding.

Daraus ist ein Plan geworden. Ein Lebensplan. Mit über 60 Jahren möchte ich noch mal etwas lernen und wenn es gut läuft, professionell umsetzen.  Ich habe mich dafür zu einem Fernstudium angemeldet. Ich habe ADHS und es ist wahrscheinlich eine der großen Herausforderungen meines Lebens.



Kategorien:Lernen geht immer

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