Was haben „Kriegsenkel-Gefühle“ mit ADHS zu tun?

Für mich eine ganze Menge. Die „Kriegsenkel-Problematik“ ist ein Thema, dem ich mich sehr intensiv widme. Alleine das Lesen der einschlägigen Literatur (darauf gehe ich noch differenzierter ein) mit ihrer Aufarbeitung stellen mich vor ganz besondere Herausforderungen.

  1. Der „richtige Moment“ ist immens wichtig, da ich nicht immer in der Verfassung bin, mich zu konzentrieren und den Text, den ich gerade lese auch aufnehmen und verstehen kann. Da es meistens so ist, dass in meinem Gehirn gestritten wird, was da nun wichtiger ist, der Inhalt oder der Satzbau oder die Rechtschreibung des Textes. So kann es vorkommen, dass ich zwar Rechtschreibfehler gefunden habe, aber mir nicht gemerkt habe WAS ich eigentlich gelesen habe. Das ist nur ein Beispiel. Natürlich können mich dazu noch andere Dinge ablenken wie Geräusche, Düfte, Änderung der Lichtverhältnisse, neue Ideen oder einfach die Tatsache, dass ich mich jetzt konzentrieren möchte und es nicht kann.
  2. Die Umgebung muss stimmen. Hell genug, bequem genug, aber nicht zu bequem, sonst schlafe ich ein. Zum Schreiben benötige ich unbedingt eine Umgebung, die dem Anlass gerecht wird. Ich könnte niemals auf der Wiese im Garten oder in der Badewanne einen Text schreiben. Es muss ein Schreibtisch sein mit passendem Stuhl. Irgendwie „professionell“. Ich darf keinen Schlafanzug tragen und muss eine Kanne Kaffee/Tee und eine Flasche Wassser neben mir stehen haben. Lesen dagegen geht auch auf dem Sofa und auf der Terrasse (solange bis der Nachbar seinen Rasen mäht).
  3. Sprunghaft wechsle ich das Thema, finde mich unorganisiert und chaotisch wieder. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Art zu schreiben bzw. Themen abzuhandeln. Dem geneigten Leser mag es schwer fallen, meinem Gedankenstrom zu folgen. Keine Angst, das geht (fast) allen so.
  4. Notizen, z.B. während des Lesens, kann ich nur handschriftlich machen. Versuche, mit diversen Sprachaufzeichnungssystmen meine Gedanken zu diktieren, sind fehl geschlagen. Das irritiert mich dermaßen, meine eigene Stimme zu hören, obwohl kein Gesprächspartner anwesend ist, da verliere ich total den Faden.
  5. Schnell werde ich müde und/oder bekomme Hunger. Das wiederum lenkt ab, da jetzt die Gedanken wieder kreisen.

Jetzt habe ich Hunger.

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